Ruhe bewahren und Afrika sprechen lassen – Podiumsdiskussion

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Am zweiten Tag der 64. Generalversammlung des Internationalen Rates zur Erhaltung des Wildes und der Jagd (CIC) wurde eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Afrika unter dem Motto „Ruhe bewahren und Afrika sprechen lassen“ veranstaltet.

Arthur Musakwa, Direktor für Wildtiere im Ministerium für Umwelt, Wasser und Klima, Pasteur Dr. Cosma Wilungula Balongelwa, Generaldirektor des Kongo-Instituts für die Erhaltung der Natur der Demokratischen Republik Kongo, Paul Zyambo, Direktor der Wildtierbehörde in Sambia; Elly Hamunjela, Direktorin der Abteilung für Wildtiernutzung des Amts für Umwelt und Tourismus von Namibia, und Wilfried Pabst, Eigentümer von Sango im Savé Valley Conservancy nahmen an dieser sehr wichtigen Diskussion teil.

Ruhe bewahren und Afrika sprechen lassen

Die Kampagne „Ruhe bewahren und Afrika sprechen lassen!“ entstand aus der Erkenntnis, dass einige Vorschläge und vorgeschlagene Änderungen, die letzten September in Johannesburg, Südafrika, für die 17. Vertragsstaatenkonferenz des CITES vorgeschlagen wurden, eine schädliche Wirkung auf viele Länder haben, in denen die nachhaltige konsumtive Nutzung der Wildtiere lebenswichtiges Einkommen für den Fortbestand und die Ausweitung der Erhaltungsbemühungen liefert. Dieses Einkommen sichert auch die Lebensgrundlagen, Ausbildung und den Aufstieg der lokalen Bevölkerung, die zusammen mit den Wildtieren lebt, und trägt somit zum Kampf gegen Armut bei.

In Afrika ist das Zusammenleben mit Wildtieren oft herausfordernd und kann fürchterliche negative Konsequenzen haben. Das Einkommen aus der konsumtiven Nutzung der Wildtiere hilft wesentlich bei der Umsetzung von Maßnahmen, welche den Verlust von Viehbestand und Ernte aufwiegen, und verbessern so die Lebensgrundlage von Menschen, die in unmittelbarer Nähe zu den Wildtieren leben. Außerdem kann die nachhaltige konsumtive Nutzung oft auch die beste Landnutzungsform in trockenen Regionen oder Regionen mit armen Böden sein, da sie dringend nötige Beschäftigungsmöglichkeiten und eine Eiweißquelle bietet.

Die afrikanischen Arealstaaten sollten immer ein Mitspracherecht bezüglich der Zukunft ihrer Wildtiere haben. Die Regierungen von Namibia, Südafrika, Sambia, Simbabwe, Mosambik und Tansania drückten ihre Frustrationen und Sorgen über die Auferlegung von Regeln und Vorschriften aus, die ohne ihren Input entwickelt wurden, und die die Erhaltung der Wildtiere und die Schaffung von Beschäftigung in ihren jeweiligen Heimatländern durch ausländische Regierungen negativ beeinträchtigen könnten.

Anreize für ländliche Gemeinschaften

Simbabwe ist ein großer Verfechter der Philosophie der nachhaltigen Nutzung der Wildtiere und der natürlichen Ressourcen insgesamt. Die Koexistenz der Gemeinden mit Wildtieren wäre ohne den Beitrag aus der nachhaltigen Jagd nicht möglich. Arthur Musakwa hob hervor, dass die Jagd keine neue Philosophie in ihrer Gesellschaft ist. Sie wurde schon von ihren Vorfahren gepflegt. Simbabwe hat sich sowohl in Jagdpraktiken als auch im Management, welche die Jagdquoten festlegt, verbessert. „Wir müssen uns nicht sagen lassen, wie man Wildtiere bewirtschaftet, besonders nicht von Ländern, die keine Wildtiere mehr haben, weil sie ihre nicht erhalten haben. Die Jagd unterstützt die Lebensgrundlagen von Menschen und ist ein wichtiges Instrument zum Artenschutz, da ein wesentlicher Teil der Erträge wieder in den Gemeinden investiert wird“, sagte Musakwa.

Paul Zyambo unterstrich, dass die Gemeinden trotz des Verlustes von Leben und der Armut in Sambia noch im Einklang mit Wildtieren leben können und dies ist die Folge der Einnahmen aus der konsumtiven Nutzung. Die zunehmenden Bedrohungen, die die nachhaltige Trophäenjagd unterminieren und Anreize wegnehmen würden, die das Überleben dieser wilden Tiere sicherstellen, werden von jenen Ländern ausgelöst, aus denen die Trophäenjäger stammen. Die falsch interpretierten und inkorrekten Informationen die verbreitet wurden, um den Transport der Jagdtrophäen von Afrika nach Europa einzuschränken, könnten möglicherweise erfolgreich sein, da zwei Fluglinien (und weitere Transportgesellschaften) die Bereitschaft gezeigt haben, diese Ideen zu unterstützen. Diese Versuche beabsichtigen, den Einheimischen, die mit Wildtieren leben und sie erhalten, ihre Einnahmen zu nehmen. Er betonte, dass die Erhaltungs- und Jagdgemeinschaften Wege finden müssen, um die nachhaltige Trophäenjagd zu verbessern und sich energisch für die konsumtive Nutzung der Wildtiere stark machen müssen. Er rief dann die Erste-Welt-Staaten auf, ihre Position bezüglich der Beschränkung der Importe von Trophäen von Elefanten und anderen Arten, insbesondere aus Ost- und Westafrika, zu überdenken. Zyambo fügte hinzu, dass wenn die Trophäenjagd abgeschafft wird, das ganze Gewerbe zusammenbricht. Die Trophäenjagd sollte gut reguliert, aber nicht eingeschränkt werden. „Trophäen importierende Länder sollten einen Dialog mit den Trophäen exportierenden Ländern beginnen, um eine Situation zu finden, die für alle einen Gewinn darstellt. Entscheidungsträger sollten den Schaden berücksichtigen, den ihre Entscheidungen den Gemeinschaften und den Wildtieren zufügen. Wir drängen sie, sich diesbezüglich mit den einzelnen Ländern zu beraten. Wir müssen sicherstellen, dass die Anreize für ländliche Gemeinschaften nicht weggenommen werden. Wir müssen alles, was möglich ist, tun, um zu verhindern, dass diese Vorschläge Realität werden.

Elly Hamunjela erklärte, dass die Hälfte der Bevölkerung in Namibia mit Wildtieren leben muss, während die Menschen in der nördlichen Hemisphäre ihr Leben nur in städtischen Gegenden ohne echte Verbindung mit Wildtieren oder naturbelassenem Land verbringen. Die Gemeinden in Namibia sind gezwungen, zwischen dem Töten der Wildtiere und dem Leben mit den Wildtieren zu wählen, aber damit sie ihr Land im Alltag teilen können ist es unerlässlich, dass sie Nutzen daraus ziehen. Die Managementprogramme für natürliche Ressourcen auf kommunaler Ebene wurden in Namibia 1996 mit dem Ziel gegründet, lokalen Gemeinden Rechte für das Management und auch die Erhaltung ihrer Wildtierressourcen zu verleihen. Diese lokalen Gemeinden erhalten jetzt Nutzen aus den Wildtieren, hauptsächlich durch die nachhaltige Jagd, die nicht nur Arbeitsstellen geschaffen hat, sondern auch als Haupteinnahmequelle dient. Andererseits ist die konsumtive Nutzung der Wildtiere für lokale Gemeinden auf so viele anderen Weisen vorteilhaft: Sie hat unter anderem auch die Investition in soziale Infrastruktur, den Bau von Krankenhäusern, die Stromversorgung ländlicher Gebiete, Beschaffung von Wasser und den Bau von Schulen ermöglicht. Nicht nur lokale Gemeinden profitieren von diesen Programmen, sondern auch die Wildtiere. Die Elefantenpopulation hat sich von 7.500 Tieren in den 1990ern auf über 22.000 Tiere heute erhöht. Nur einige Einzeltiere dieser 22.000 leben in formell geschützten Bereichen. Der Rest kann frei umherziehen. Das Verbreitungsgebiet der Löwen hat sich in den kommunalen Bereichen erweitert, aber nicht in geschützten Bereichen. Es leben heute auch wieder Nashörner mit lokalen Gemeinden – die Anzahl des Savannenwildes hat sich insgesamt wesentlich erhöht.

Viele Menschen glauben, dass die Jagd nur reichen Menschen zu Gute kommt, aber tatsächlich entspricht das Gegenteil der Wahrheit – die Hauptbegünstigten der Jagd sind die lokalen Gemeinden und die Wildtiere. „Ohne die Jagd können wir in meinem Land die Wildtiere nicht erhalten; das kann ich mit Sicherheit sagen. Die Jagd ist ein integraler Bestandteil desArtenschutzes und wenn wir sie entfernen, der Artenschutz zusammenbrechen. Wer wird am Ende gewinnen? Weder die Wildtiere, noch die Gemeinden.“

Stärkung von Allianzen

Pasteur Dr. Cosma Wilungula Balongelwa, der das Kongoer Institut für die Erhaltung der Natur (The Congo Institute of Conservation of Nature) vertritt, betonte, dass in der DR Kongo, insbesondere in den Nationalparks, die Wilderei eine kritische Höhe erreicht hatte, aber jetzt auf dem Weg der Besserung ist. Die Wilderei fand nicht statt, weil die Jäger das System missbrauchten, sondern war die Tat von Wilderern, die hingeschickt wurden, um die Wildtiere zu dezimieren. Sie hatten 100 Ranger im Gebiet, was nicht ausreichte, um die Wildtiere zu beschützen. Lösungen für den Kampf gegen Wilderer zu finden, die Menschen sind, die nicht einmal vorgeben, Regeln und Vorschriften zu befolgen, sondern nur kommen, um die Produkte der Tiere auf irgendeine Weise zu erlangen, ist ein Problem von fundamentaler Bedeutung, welches die DRK strategisch lösen muss. Die DRK ist weiterhin entschlossen, die Wilderei zu bekämpfen und lobte auch den CIC für seine Arbeit an diesem Problem.

Die Demokratische Republik Kongo ist eines der größten Länder Afrikas und hat eine großartige Tradition im Bereich des Naturschutzes. Das Kongoer Institut für den Erhalt der Natur verwaltet alle Parks und Reservate, Jagdgründe, Zoos und alle Jagdstationen im Land. Der erste Nationalpark wurde 1925 mit dem Ziel geschaffen, Wildtiere für zukünftige Generationen zu erhalten. Die Demokratische Republik Kongo hat dazu ihre erste Behörde 1934 gegründet, die inzwischen 4.000 Mitarbeiter beschäftigt, die an der Erhaltungsarbeit des Parks beteiligt sind. Das Land verfügt über eine reiche biologische Vielfalt mit über 400 Arten.

Die Demokratische Republik Kongo drückte ihr Interesse daran aus, dem CIC beizutreten und den Einfluss ihrer afrikanischen Verbündeten zu stärken.

Erfolg des Artenschutzes

Der deutsche Geschäftsmann Wilfried Pabst ist der Besitzer des Sango im Savé Valley Conservancy in Simbabwe, das ein Vorbild dafür ist, wie der private Sektor ein umfangreiches Entwicklungsprogramm der Gemeinschaftbeteiligung und des Artenschutzes umsetzt. Private Reservate und gemeinschaftsbasierte Naturschutzgebiete auf der ganzen Welt schützen kritische Lebensräume in verschiedenen Ökosystemen und spielen eine entscheidende Rolle beim Schutz der stark gefährdeten Arten, insbesondere in Afrika, wo mindestens 60 Millionen Hektar Privatland sich unter einer Art Wildtierschutz oder nachhaltiger Wildtierbewirtschaftung befinden.

Das Conservancy beinhaltet über 4.000 Büffel, 1.600 Elefanten und über 160 Breit- und Spitzmaulnashörner. Es hat die Wilderei unter Kontrolle gebracht und hat Wildtierbestände, die trotz der ernsten Bedrohungen durch Wilderei, insbesondere für Nashörner, hohe Wachstumsraten zeigen.

In Mosambik hat die Wilderei die Bestände der Wildtiere zerstört. Deshalb wird das Sango im Savé Valley Conservancy 2.000 Stück Savannen-Wild an seinen afrikanischen Nachbarn spenden und umsiedeln, die aufgrund der positiven Wirkung der nachhaltigen Jagd überschüssig sind. Die Spende erfolgt von Sango  an Mosambik in Zusammenarbeit und mit der Unterstützung der Peace Park Foundation aus Stellenbosch, Südafrika, und des CIC.

Comments

  1. Nieuwenhuys says:

    Congatulations to Mr Pabst .
    It is impressive to see that well organized hunting is successful in many ways …

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